Meine Erfahrung mit dem Astronomik UHC und O-III Filter

Mit dem Beobachten und Zeichnen von Objekten gehe ich eher den antiquierten Dinosaurierweg beim „Sternegucken“. Gerade deswegen ist mir jede zusätzliche Wahrnehmung herzlichen willkommen und gerade Nebelfilter, und hier im speziellen UHC und O-III Filter, sollten mir da ordentlich unter die Arme greifen können. Allerdings kann so ein Nebelfilter ja nichts hinzufügen. Wie sollte er auch! Was nicht da ist, ist einfach nicht da. Der Filter kann nur das was draufsteht, etwas herausfiltern. Also wegnehmen!

Das wiederum klang für mich doch sehr merkwürdig! Wenn ich etwas von dem gesehenen wegnehme, und logischerweise nix neues dazu, wie kann ich dann mehr sehen?
Das Zauberwort hierfür heisst Kontrast. Im Grunde genommen bereinigt so ein Filter nur das Bild von allem Störenden und dadurch soll der Rest deutlicher zu erkennen sein. So zumindest die Theorie.

Eine Prise Algebra und ein Hauch von Physik

Beide Filter, also der UHC (Ultra High Contrast) sowie der O-III (O = Sauerstoff, III = zweifach ionisiert) Filter filtern künstliche Lichter, wie sie z.B. in Nieder- und Hochdrucklampen entstehen, sowie das Airglow heraus.
Während der UHC Filter aber eher ein Universal-Breitband Nebelfilter ist und die Linien H-Beta, OIII, H-Alpha und SII passieren lässt, ist der O-III Filter ein Spezialist der nur Spektren der beiden doppelt ionisierten Sauerstoff-Linien (496 und 501nm) passieren lässt.

Quelle: Astroshop.de*

Der O-III Filter ist demnach ein reiner Nebelfilter der bei planetarischen Nebel und Supernovaüberresten zum Einsatz kommen sollte. Während der UHC Filter universellere Eigenschaften besitzt und so auch zum betrachten von Doppelsternen, Jupiters Wolkenbänder und Kometen geeignet sein kann.

UHC, O-III oder beide? Eine Frage der AP

Nicht selten liest man folgende Empfehlung:

Ein O-III Filter ist nur für Teleskope mit großer Öffnung geeignet! Kleinere Teleskope sollten besser auf den UHC-Filter zurückgreifen.

Das ist beinahe richtig, aber eben auch nur beinahe! Entscheidend ist die Frage nach der AP (Austrittspupille). Dazu sollte man wissen das grundsätzlich jedem Teleskop die gleiche Helligkeit des Himmels zur Verfügung steht, aber bei gleicher Vergrößerung nicht jedes Teleskop die gleiche Helligkeit an die Pupillen des Betrachters weitergibt. Entscheidend für die empfundene Helligkeit ist die sogenannte Austrittspupille und diese ist bei gleicher Vergrößerung von Teleskop zu Teleskop unterschiedlich.
Ein Teleskop mit großer Öffnung kann bei 100facher Vergrößerung mehr Helligkeit weitergeben, als ein kleines Teleskop bei 100facher Vergrößerung.

Die AP wird aus dem Durchmesser der Öffnung und der aktuelle Vergrößerung errechnet.

AP = Öffnung / aktuelle Vergrößerung

Der O-III Filter hat die beste Wirksamkeit bei einer AP von mehr als 4mm, so zumindest sind die Erfahrungswerte die ich im Internet finden konnte. Es geht aber auch darunter, allerdings lässt dann die Leistungsfähigkeit kontinuierlich nach.

Zum Vergleich: Eine AP von 4mm entspricht 89x Vergrößerung bei einem 14 Zoll Teleskop und 38x Vergrößerung bei einem 6 Zoll Teleskop.
So gesehen stimmt die Aussage das der O-III Filter erst so richtig bei größeren Teleskopen funktioniert.

O-III und UHC von Astronomik

Es gibt etliche Hersteller die Okularfilter anbieten, aber am Ende landete ich bei meiner Recherche immer wieder bei drei Herstellern: Astronomik*, Baader* und Lumicon*. Da sich Astronomik preislich zwischen den beiden anderen eingliederte, wurde dieser auch von mir gekauft. Für die Testnacht benutzte ich also den „Astronomik UHC Filter*“ und den „Astronomik O-III Filter*“.

Meine Eine-Nacht Erfahrung

Die erste Erfahrung, die ich noch vor der eigentlichen Beobachtung machen durfte, war das ein Werbebild täuschen kann. Bis zum Schluss zögerte ich mit der Firma Astronomik, da der O-III Filter auf dem Astroshop-Bild* sehr grünstichig, ja beinahe wie ein grüner Farbfilter daherkam. Dazu laß ich auch noch folgenden Kommentar: „…Einziger „Nachteil“ des Filters: Das betrachtete Objekt ist grün“.

Astronomik OIII Filter 2
Bild: Astroshop.de*

Der Kommentar und das Bild waren für mich beinahe ein Totschlagargument, aber ich kann Entwarnung geben. Der Filter selber sieht aus wie jeder andere O-III Filter auch und die Objekte sind nicht grün! Hellere Sterne zwar schon, aber die Objekte selber, also die Nebel, bleiben zumindest bei mir einfach nur Grau.

Bei mir finden beide Filter ihren Platz in einem Orion 2″ Filterrad*, so kann ich schnell zwischen keinen Filter und den beiden Nebelfiltern hin und her wechseln.

Der Filter Nummer 3 (der rechts im Bild) ist der O-III Filter.

Die Filter in der Praxis

Details zur Beobachtung

Beobachtet wurde ausschließlich mit dem Explore Scientific 34mm Okular und dem Meade LX200R ACF 14 Zoll.

  • Vergrößerung ca. 104x,
  • AP ca. 3,4mm,
  • sichtbares Gesichtsfeld ca. 0,65°
  • Seeing ca. Stufe 3
  • Himmelsqualität ca. 3 bis 4 auf der Bortle-Skala

M57 – Der Ringnebel

Eigentlich wollte ich DEN Paradenebel, und die erste Anlaufstelle wenn es um planetarische Nebel geht, gar nicht anfahren. Das hat zwei Gründe. Grund Nummer eins, M57 steht zurzeit sehr hoch und selbst mit einem Zenitspiegel ist es super unbequem diesen zu beobachten.
Grund Nummer zwei, M57 ist sehr klein und muss daher stark vergrößert werden. Mit meiner 300 fachen Vergrößerung ließen sich, so auf die schnelle, keine wirklichen Unterschiede zwischen Nichts, UHC und O-III feststellen. Außer das das Bild im gleichen Maße abdunkelte wie der Kontrast zunahm.

Aus diesem Grund verließ ich den M57 schnell wieder und nahm den etwas tieferliegenden M27 Hantelnebel ins Visier.

M27: Der Hantelnebel

Die erste Begutachtung des M27 Hantelnebel wurde natürlich ohne Filter gemacht. M27 war deutlich als Nebelfleck in der charakteristischen Apfelbutzenform zu erkennen. Der Hintergrund war grau und der Nebel erkennbar etwas heller. Um den Nebel selber wuselten einige schwachleuchtende Sterne.
Der Wechsel zum UHC-Filter wurde durch ein deutlich dunkleres Bild bestätigt. Der Hintergrund hatte nun ein dunkles Grau, die Sterne wurden schwächer und der Hantelnebel etwas dunkler.
Da das meine erste Erfahrung in Sachen Nebelfilter war, war ich vorerst schockiert! Ich nahm das Bild mit dem UHC Filter tatsächlich als Verschlechterung wahr. Alles wurde einfach nur irgendwie dunkler. Ich blieb aber dran und versuchte im leicht dunklerem Nebel Strukturen herauszuarbeiten. Nach einer kurzen Zeit konnte ich tatsächlich einige Konturen erkennen die mir ohne Filter nicht aufgefallen waren.
Der Wechsel zurück zur normalen Ansicht zeigte mir diese Konturen tatsächlich nicht. Zwar wurde Nebel wieder heller, und augenscheinlich markanter, aber die zuvor gesehenen Strukturen waren schwerer oder gar nicht zu deuten.

Zeit den O-III Filter zu testen. Diesmal war ich weniger schockiert, da ich durch den UHC Filter ja vorbereitet war. Der Hintergrund wurde wie zu erwarten annähernd tiefschwarz und die Sterne verschwanden oder dämpften sich auf ein blasses Pünktchen.
Der Hantelnebel selber war aber offensichtlich gleich hell (oder dunkel, wie man es nimmt) wie unter dem UHC-Filter. Ich konzentriere mich auf den Apfelbutzennebel und konnte Details ausmachen die ich mit Sicherheit ohne Filter übersehen hätte.

Der Unterschied zwischen Nebelfilter und keinem Nebelfilter war groß. Der Unterschied zwischen UHC und O-III ist dabei eher marginal. In diesem Fall wäre es vermutlich egal gewesen ob ich mit dem UHC-Filter ein helleres Bild, oder mit dem O-III ein etwas kontrastreiches aber dunkleres Bild beobachtet hätte.

NGC 6960: Der Hexenbesennebel

Weiter ging es zum C34 Hexenbesen Nebel. Wieder fing ich ohne Filter an und sah Nichts! Also nichts ist da vielleicht verkehrt ausgedrückt. Ich sah schon unzählige Sterne und einen sehr hellen markanten Stern in der Mitte, aber von einem Nebel keine Spur. Nicht mal Ansatzweise. Selbst nach einer Minute angestrengtem Beobachten erkannte ich keinen Nebel.
Ich wechselte auf den UHC-Filter. Der Hintergrund dunkelte ab. Der helle Zentralstern leuchtete auf einmal in den Farben rot und blau und ich konnte etwas nebelschwadiges erkennen.
Schnell wechselte ich weiter zum O-III Filter und mir fiel die Kinnlade runter. Sofort waren deutliche Nebelschwaden zu erkennen, welche sich durch das gesamte Bild zogen.

Ich bin ehrlich, das habe ich nicht erwartet. Würde ich es nicht besser wissen, würde ich behaupten das hier nichts gefiltert sondern hinzugefügt wurde.
Ich denke ich habe mindestens zehnmal zwischen keinem Filter und O-III Filter gewechselt, da ich es einfach nicht glauben konnte. Ohne Filter – sehr viele Sterne und sonst nichts, mit O-III Filter- fast keine Sterne, aber deutliche Rauchschwaden die sich durchs ganze Bild und darüberhinaus zogen.
52 Cygni, der Riesenstern, war grün. Deutlich Grün und das ist vermutlich das was die Person in der Rezession meinte. Mich persönlich hat das aber nicht gestört.

Fazit

Um es nicht misszuverstehen! Man muss sich wirklich erst an das deutlich dunklere Bild gewöhnen. Einen einheitlichen Effekt hat es bei mir nicht gegeben. Während der Ringnebel M57 beinahe gar nicht vom Wechsel profitierte, sah das beim M27 Hantelnebel schon anders aus. Hier würde ich zwar behaupten das es egal ist ob man einen UHC oder O-III Filter benutzt, aber der Kontrast nahm im Gegensatz zur „normalen“ Sicht deutlich zu.
Der C34 Hexenbesen Nebel war die Offenbarung für den O-III Filter. Während ohne Filter nichts von dem Objekt zu sehen war und sich mit dem UHC-Filter der Nebel zumindest deutlich ankündigte, war unter dem O-III Filter der Nebel über das gesamte Gesichtsfeld deutlich zu sehen.
Farbverfälschungen am Objekt konnte ich weder unter dem UHC noch unter dem O-III Filter feststellen. Hellere Sterne werden aber unter UHC bunt und unter O-III Grün. So zumindest meine Erfahrung.

Davon abgesehen kann ich nur das bestätigen was man auch größtenteils in den Foren lesen kann. Wer Nebel beobachten möchte, muss mindestens einen UHC-Filter besitzen. Wer über genügend Öffnung verfügt, sollte zum OIII Filter greifen.


3 Gedanken zu „Meine Erfahrung mit dem Astronomik UHC und O-III Filter“

  1. Hallo Dimi
    Endlich hat mal einer das für normal sterbliche Anfänger erklärt dachte schon echt ich habe was an der Waffel / Augen
    Jetzt wird mir einiges klar.
    Ganz dickes Lob
    Gruß Ceule

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Cookie Consent mit Real Cookie Banner