Die visuelle Beobachtung

Teil 1 – Der Einstig

Ich wurde wiederholt gefragt wie ich das so mit meinen Deep Sky Beobachtungen mache und vor allem auf Papier bringe. Was ich ganze lustig finde, da ich mich weder für einen super begabten Künstler noch für einen ausgesprochen guten Beobachter halte. Immerhin habe ich mit dem schönen Hobby erst Anfang 2020 und mit einer eher bescheidenen Ausrüstung angefangen. Ich hatte sogar anfänglich meine liebe Not eine optimale Vorgehensweise beim „spechteln“ zu finden. Um ehrlich zu sein bin ich mir heute noch nicht sicher ob ich „den Weg“ schon gefunden habe, aber das werde ich in einen der nächsten Artikel genauer vertiefen.

In diesem ersten Teil befasse ich mich nur ganz oberflächig mit dem Thema Beobachten, um einen rudimentären Einstieg zu schaffen. In späteren Teilen geht es dann in die Tiefe und ich stelle meine bisherigen Erfahrungen, die ich während meiner Beobachtungsnächte und an den Tagen danach sammeln konnte, vor.

Sehen ist eine Kunst die erlernt werden muss

„Sehen ist eine Kunst die erlernt werden muss“, dass ist wohl der legendärste Satz den man in der visuellen Astronomie zu hören bekommt und auch der wichtigste!

Unser Gehirn ist perfekt auf Effizienz getrimmt und will daher alle ankommenden Reize nach Wichtigkeit aussortieren. Alles was dem Gehirn als sinnlos erscheint, wird gnadenlos ausgesiebt. Dummerweise gehörte bisher das im dunklen Sitzen und nach kaum wahrnehmbaren Objekten Ausschau halten, zu den unwichtigen/ungelernten Dingen. Ergo müssen wir das Gehirn dafür trainieren. Daher werden die ersten Beobachtungen immer weit unter dem Level liegen, was man eigentlich im Stande ist zu leisten. Fragt man jahrzehntelange Beobachter nach ihrer Erfahrung beim Sehen, bekommt man nicht selten als Antwort das selbst sie noch dazulernen. Also dranbleiben und nicht unterkriegen lassen.

Eine dunkle Umgebung

Damit meine ich jetzt nicht die Lichtverschmutzung des Himmels, die natürlich auch von entscheidender Rolle ist, sondern das Umgebungslicht. Gerade für Beobachter die aus dem Garten beobachten, wie ich es tue, ist eine dunkle Umgebung äußerst wichtig. Nichts stört da mehr als Nachbars Toilettenfenster, dass in unregelmäßigen Abständen und mit bisher ungeahnter Vehemenz Photonen auf die Pupille donnert. Selbst die Kontrollleuchte der Steckdosenleiste kann einem in den Wahnsinn treiben. Man kann sich einfach nicht vorstellen wie nervig eine mickrige Standby LED nach 20 Minuten Augenadaption sein kann. Da kann der Himmel noch so dunkel sein, wenn das Umgebungslicht die anschreit, kann man seine Deep Sky Beobachtung in die Tonne treten.

Still gestanden!

Eine bequeme Position ist für den Beobachter genauso unverzichtbar wie eine dunkle Umgebung! Man kann weder mit schmerzender Beinmuskulatur noch mit einem ziependen Rücken anständig beobachten. So eine Beobachtung dauert im Normalfall 30 Minuten und da ist eine bequeme Position durch nichts zu ersetzen, außer durch eine noch bequemere Position! Und ja, so eine Beobachtung kann auch eine Stunde und länger… viel länger dauern.

Unter Blutverlust lässt’s sich schlecht spechteln

Jedem dürfte klar sein das im Winter die Nächte A… kalt sein können. Zitternd am Okular verbringen macht echt keinen Spaß, aber genauso wenig Spaß macht es im Sommer von Stechmücken gepiesackt zu werden. Aus diesem Grund sollte man sein Outfit, und sein Eau de Toilette, weise wählen und lieber zu viel als zu wenig mitnehmen. Egal ob Mütze, heißer Tee, Antibrumm oder Augenklappe.

Alles an seinem Platz

Eine gute Vorbereitung ist des Astronomen Freude und im finstern suchen ist es mit Sicherheit nicht. Das menschliche Auge benötigt knapp 30 Minuten bis es sich vollständig an die Dunkelheit gewöhnt und nun stelle man sich vor, man müsse anschließend die Taschenlampe benutzen um ein Okular zu suchen. Grausame Vorstellung, ich weiß! Deshalb sollte man spätesten in der Dämmerung schon alles so weit vorbereitet haben um eine spätere Schnitzeljagd zu vermeiden.

Das Beobachten beginnt schon Tagsüber

Ich weiß, als Einsteiger möchte man am liebsten alles und jeden beobachten und das ist auch absolut in Ordnung. Ich würde sogar behaupten das dass für die ersten Nächte sogar der richtige Weg ist. Es spricht nichts dagegen den Himmel Just for Fun abzugrasen. Nicht umsonst gibt es im Messier Guide*, von Ronald Stoyan, die Rubrik „Messier-Marathon“. In der kann man in einer Märznacht bis zu 108 Messier Objekte beobachten.

Irgendwann wird aber der Punkt kommen, in der man mehr als einfach nur so beobachten möchte. Das ist die Zeit in der man sich meist der Astrofotografie, aber auch in selteneren Fällen der visuellen Astronomie zuwendet. Hier sieht die Herangehensweise dann etwas anders aus und beinhaltet eine Gewisse Vorplanung.

Sich nicht zwingen

Und nun zum Schluß das Wichtigste! Das Beobachten sollte wie eine Massage oder ein heißes Bad angesehen und dementsprechend genossen werden. Man sollte mit Geduld und Entspannung an die Sache rangehen, dann kommt das indirekte Sehen von ganz alleine. Wenn man sich hetzt, führt das zu nix außer Frust. Manchmal lässt sich ein Objekt einfach nicht beobachten, aber es gibt immer schöne alternativen am Himmel. Beobachten unterliegt nunmal nicht dem Gesetzen des sportlichen Ehrgeizes, genau genommen ist es das genau Gegenteil. Hier geht es um eine meditative Erfahrung und nicht um einen Wettbewerb.

So! Das war mein kleines Vorgeplänkel ohne wirklichen Inhalt. Inhalt bekommt ihr in den nächsten Teilen von „Visuelle Beobachtung“.


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