Weitere An- und Umbauten – Die Pocket Powerbox Advance GEN2

Noch während der Planungsphase der neuen Selbstbaumontierung, galt meine Aufmerksamkeit dem Kabelmanagement. Im Gegensatz zu modernen Kauf-Montierungen, verlaufen bei der Eigenbaulösung keine Leitungen innerhalb der beiden Achsen. Es müssen also alle in so einer Beobachtungsnacht anfallenden Kabel und Leitungen neben der Montierung zum Teleskop geführt werden.

Klar könnte man zu jeder Session die Kabel neu anklemmen und einfach baumeln lassen, aber das widerspricht irgendwie dem Gedanken einer fest verbauten Montierung samt Teleskop innerhalb einer Sternwarte. Folglich strebte ich nach einer dauerhafte Lösung, bei der ich mit nur wenigen Handgriffen startklar sein kann.

wem´s gefällt – baumelnde Kabel

Schon früh kam ich deshalb auf die Idee mir einen Daten und Stromverteiler anzuschaffen (siehe Artikel). Diese sind zwar nicht ganz billig, reduzieren aber die Anzahl der an der Montierung entlanglaufenden Leitungen auf ein Minimum. In meinem Fall wären das dann nur ein 12V 10A Versorgungskabel und ein aktives USB 3.0 Datenkabel.

Die zwei Leitungen benötigen natürlich genügend Reserven, damit es bei den ausladenden Schwenks der Montierung zu keinen Blockaden, oder noch schlimmer zu Abrissen kommt.

sauber ummantelt und sauber verlegt

Nach etlichen Schwenktests konnte ich die passende Länge ermitteln und diese als eine Art Dehnungsschlaufe zwischen Teleskop und RA-Achse einbauen. Um der Optik genüge zu tragen wurden beide Leitungen mit einem selbstschließenden Kabelschlauch* in Sleeve Optik ummantelt. Was ich übrigens bei beinahe allen Leitungen mache.

Die Pocket Powerbox Advance GEN2

Bei der Wahl des Daten- und Stromverteilers setzte ich anders als noch im Vergleichsartikel angekündigt, auf die kleine Pocket Powerbox Advance GEN2* (Produktseite Hersteller).

Der Grund lag an keinen Geistesblitz oder an einem plötzlichen Sinneswandel, sondern daran das die Ultimate Powerbox v3* auch nach zwei Lieferverzögerungen und dem dritten Liefertermin für mich uninteressant wurde.

Technische Daten der PPBadv GEN2

  • 2 x USB 3.0
  • 2 x USB2.0 (1x 3A, 1x 500mA)
  • Max. 10 Ampere
  • 4 x 12V DC 5A (gemeinsam abschaltbar)
  • 1 x Stromanschluss variabel (3V bis 12V 3A)
  • 2 x Tauheizer Cinch Anschluss regelbar mit Auto Funktion
  • Temperatur- und Feuchtigkeitssensor (extern)
  • EXT-Port (für Erweiterung)
  • Maße: 66 mm x 66 mm x 24 mm
  • Gewicht 250g

Lieferumfang

  • 1 x Pocket Powerbox Advance Controller
  • 1 x Temperatur-/Feuchtigkeitssensor
  • 4 x Power DC 2,1 mm auf 2,1 mm Steckerkabel (2 x 1 m, 2 x 0,5 m)
  • 1 x USB3-Kabel
  • Typ B (1,8 m)
  • ohne Netzteil

Ein Platz am Teleskop

Nun galt es der Pocket Powerbox Advance GEN2, in weiteren Verlauf nur noch als PPBadv bezeichnet, einen Platz am Tubus zu finden. In meiner Pre-Parallaktischen Zeit wurden beinahe alle Anbauteile mit doppelseitigem Klebeband befestigt. Das sah zwar sauber aus, zog aber eine massive Putzorgie nach sich, wenn diese wieder entfernt wurden.

doppelseitiges Klebeband hält zwar auch, aber…

Glücklicherweise hinterließ das Teleskop, durch seine Entnahme aus der alten Montierung (siehe hier), seine Halterungsaufnahmen in Form von drei Gewindelöcher. An Stelle der Montierungsaufnahmeplatte wurde dann eine einfache VESA-Halterung* angeschraubt. Auf dieser war es dann eine Leichtigkeit die PPBadv anzuschrauben.

Anschließend mussten natürlich alle Leitungen sauber verlegt werden und streng nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ vergingen Stunden bis ich dann mit dem Gesamtbild einigermaßen zufrieden war.

saubere Arbeit

Wie zu erwarten waren die vorhanden Anschlüsse der PPBadv zwar ausreichend, aber viel Luft nach oben für weiteres Zubehör bleibt nicht mehr.

USB-Anschlüsse

Die beiden USB 2.0 Buchsen der PPBadv werden von dem PegasusAstro FocusCube und dem TS Motorfokus belegt. Somit fallen schon einmal zwei der vier USB-Anschlüsse dauerhaft weg.
Die zwei übrig gebliebenen USB 3.0 Buchsen werden dann für die Astrokamera SVBONY SV405CC (Testbericht) und der Planeten bzw. Guidingkamera ZWO ASI 462MC Color* benötigt. Bei einer normalen astrofotografischen Nacht sind demnach alle USB-Anschlüsse belegt.
Sollte in Zukunft ein zusätzlicher USB-Port benötigt werden, muss ich auf einen zusätzlichen aktiven USB Hub zurückgreifen. Was aber dank der variablen Strombuchse (3-12V) kein Problem darstellen dürfte.

Taukappenheizer

Die PPBadv besitzt zwei Cinch Ausgänge für das heizen und regeln von Tauheizern. Einer dieser Ausgänge versorgt momentan das Omegon Heizband* (Amazon), der zweite Anschluss ist noch frei.

Stromanschlüsse

Von den insgesamt fünf Stromanschlüssen werden aktuell nur drei benötigt. Zwei für die beiden Fokusmotoren und einer für die Astrokamera. Also hier ist tatsächlich noch Luft nach oben.

Apropos Stromversorgung! Im Vergleichstest habe ich noch positiv die höhere Leistung der Ultimate Powerbox v3 erwähnt. Diese „könnte“ Gerätschaften mit insgesamt 20A (240W) versorgen. Die PPBadv schafft hingegen „nur“ 10 Ampere (120W). Ich schreibe aber deshalb „könnte„, da ich kein passendes Netzteils dieser Größe finden konnte. Anscheinend gibt es kein klassisches Tischnetzteile mit einer Leistung von 12V und 240W. Selbst PegasusAstro hat aktuell nur eine 10A Variante im Verkauf und es bleibt abzuwarten ob vom Hersteller überhaupt ein 20A Netzteil nachgeschoben wird.

Die Unity Steuerzentrale

Gesteuert werden alle PegasusAstro Devices über die kostenlose Unity Plattform aus eigenem Hause. Hier werden alle angeschlossenen Gerätschaften in einem wirklich schönen Interface angezeigt.

super aufgeräumte Ansicht

Mit einem Klick auf das PPBadv Icon, öffnet sich ein weitere Tab mit allerlei Einstellungen, Zahlen und Statistiken. Die Oberfläche wirkt aber nur auf den ersten Blick verwirrend, wenn man sich etwas Zeit nimmt ist alles relativ selbsterklärend.

alles auf einem Blick

Im linken Fenster der PPBadv findet man alle Einstellmöglichkeiten der Box. Unter dem ersten Punkt „Power Outputs“ können die Stromversorgungsbuchsen und der Dual USB2 Port ein bzw. ausgeschaltet werden. Ich vermute das abschalten der USB Ports dient alleine dazu, um während einer Remote Bedienung die USB Geräte neu verbinden lassen zu können.

Im darunterliegenden „Device Hub“ lassen sich bei Bedarf die Tauheizer manuell zuschalten und die Leistung einstellen. Wer das automatisch machen lassen möchte, findet darunter im „Auto Dew“ Fenster die Möglichkeit dazu. Über Aggressivität kann der anhand der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit errechneten Einschaltpunkt eingestellt werden.

Das rechte Fenster ist eine Art Überwachungsfenster, in der die gemessenen Werte der Sensoren in Zahlen und Statistiken wiedergeben werden.

Probleme, Bugs und Fazit

Man liest des Öfteren über Probleme mit der PegasusAstro Hardware in Kombination mit der Unity Software und tatsächlich kam es Anfangs wiederholt zu Abbrüchen mit dem Motorfokus. Also es kam zu keiner Unterbrechung während einer Sitzung, sondern der Fokusmotor wurde am ersten Tag ohne Probleme erkannt und am nächsten Tag dann nicht mehr.
Das hat mich zur Weißglut getrieben, da ich am Setup über Nacht nichts verändert habe. Mittlerweile gehe ich stark davon aus das dass am Netzteil (Pegasus Original 10A Netzteil) gelegen hat. Ein paar Tage später fiel mir auf, dass das Netzteil kaum noch Spannung an die Geräte liefert. Vermutlich hat es das noch nie vernünftig getan und seit dem Tausch des Netzteils lief alles ohne Problem.

Ich gebe zu, mit etwas über 300€ ist auch das Pocket Powerbox Advance Gen2 kein Pappenstil! Wenn ich aber alle Funktionen wie Stromverteiler, USB-Hub und Heizregler einzeln kaufen würde, bin ich auch bei mehr als 200€ angekommen. Dann fehlt mir aber noch ein kompaktes Gehäuse und eine gemeinsame Steuerzentrale.
Bisher bin ich also ganz glücklich über die Investition und vermisse die Ultimate Powerbox v3 nicht (Stand 02.2024).

CS, Dimi


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Die Pocket Powerbox Advance ist eine willkommene Erweiterung der Powerbox Produktserie. Sie steht stolz zwischen der Pocket und Ultimate Powerbox…

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