Once in a lifetime – Als mir das Nordlicht die Aufnahme versaut hat (mit Beweisvideo)

Heute Nacht wird man Nordlichter sehen können. Hat man gesagt. Diesmal werden sie sogar stärker sein als üblich! Hat man erzählt. Die Chancen stehen sogar so gut, dass sie auch im Süden Deutschlands gesehen werden können. Wurde orakelt. Nur leider habe ich solche Nachrichten schon öfters gehört, aber in meiner Laufbahn hat Aurora Borealis den Weißwurstäquator noch nie nennenswert überqueren können.

Aus diesem Grund blieb ich auch cool und entschied mich deshalb die Sensationsnachricht weitestgehend zu ignorieren. Den klaren Himmel wollte ich dennoch gewinnbringend nutzen und schauen ob sich meine Eigenbau Montierung auch direkt über die ASCOM-Schnittstelle mit PHD2 steuern lässt. Wenn das ginge, könnte ich mir in Zukunft das zusätzlich baumelnde ST-4 Kabel sparen.

Gedacht, getan und gegen 22:30 Uhr lief der Test mit PHD2 recht erfolgreich. Es war nun an der Zeit das „Probeguiding“ einzustellen und eine echte Deep Sky Aufnahme in Angriff zu nehmen. Der Ringnebel Messier 57 schien mir trotz seines tiefen Standes perfekt für eine Probe auf Exempel zu sein. Zuvor wollte ich aber noch einen Blick ins Freie riskieren, nicht das vielleicht doch ein bisschen Nordlicht zu sehen war. Ich trat also aus der Sternwarte heraus, bewegte mich ein paar Meter von dieser weg und blickte wie Clint Eastwood mit zugekniffenen Augen gen Norden. Tatschlich sah ich da auch eine ungewöhnliche minimale Aufhellung. Anfangs rätselte ich noch ob es sich bei der „Lichtglocke“ um besagte Nordlichter handeln könnte oder ob das 30 Kilometer entfernte Nürnberg den Himmel mal wieder etwas mehr als gewöhnlich mit Licht versaute.

Glücklicherweise besitzen halbwegs moderne Smartphones einen Nachtmodus in der Aufnahmesoftware, so auch mein iPhone 13Mini, und diese brachte dann das fürs Auge beinahe unsichtbare zum Vorschein. Es war zwar nicht wirklich hollywoodreif, aber das was man auf dem Smartphone sehen konnte war für bayrische Verhältnisse doch schon recht beeindruckend.

Eher unbeeindruckt ging ich wieder zurück in die Gartenwarte, immerhin wollte ich ja den „Deep-Sky-ASCOM-Guiding-Feldversuch“ durchführen und das bisschen Aurora Borealis könnte ich auch noch während den Aufnahmen auf digitalem Zelluloid bannen – soweit meine Überlegung.
Nachdem ich also meine Kommandos in NINA eingehackt habe und sie ihrerseits die Befehlsgewalt über die Aufrüstung übernahm, begab ich mich abermals nach draußen. Diesmal machte ich mich aber zuerst auf die Suche nach einem etwas besseren Blickwinkel für mein Motiv. Nach ein paar Minuten fand ich dann auch einen für mich recht passablen Standort und staunte nicht schlecht wie fülliger doch besagte „Lichtglocke“ geworden ist.

Dann ging es eigentlich Schlag auf Schlag! Beinahe im Sekundentakt nahm das Naturschauspiel an Potential zu und während ich noch erfolglos probierte meinen Nachbarn für das Spektakulum zu kontaktieren, lief ich ums Haus um auch die Rückseite des Himmels ins Visier nehmen zu können.

Mittlerweile habe ich meine DeepSky Session natürlich völlig vergessen, denn selbst am südlichen Horizont waren schon mit dem bloßem Auge deutliche Lichtwolken erkennbar. Sie waren natürlich nicht annähernd so farbenprächtig wie auf den Aufnahmen, aber dank ihre diffusen und deutlichen Erscheinung nicht minder beeindruckend.

Ein Blick hinters Haus

Wieder „vorne“ an der Sternwarte angekommen, war das Himmelsschauspiel nun voll im Gange. Selbst mit dem bloßen Auge erhellten nun organische Lichtkegel schaurig schön den Nachthimmel.

Es war ein unglaubliches Schauspiel und ich bin immer noch super froh darüber das ich besagtes und halbwegs moderne Smartphone besaß. Vor zwei oder drei Jahren wären mir solche Schnappschüsse sicherlich noch nicht gelungen.

Selbst kurze Zeitrafferaufnahmen sind vorzeigbar, wie ich finde.

Während der ganzen Zeit knipste NINA natürlich fleißig ein Foto nach dem anderen. Das ASCOM-PHD2 Feldexperiment war also geglückt, allerdings war klar das ich die Aufnahmen an sich vergessen könnte.

ein gestretchtes Subframe von 60s

Was ich aber auch hier nachträglich gemacht habe, war eine Zeitrafferaufnahme. Diese besteht aus knapp 30 Einzelbelichtungen und demonstriert eindrucksvoll das kommen und gehen eines solchen Nordlichtes.

Klar das sich bei solchen Aufnahmen ein Stacking nicht löhnen würde. Die Aufnahmen sind hierfür schlichtweg nur Müll.

Fazit

Um auf meine provokante Überschrift einzugehen, natürlich war diese nicht wirklich ernst gemeint. Für so ein atemberaubendes und seltenes Erlebnis, trete ich gerne meine Deep Sky Aufnahme in die Tonne. Ganz nebenbei konnte ich auch noch erfolgreich meine Montierung über den nativem ASCOM Treiber mit PHD2 verbinden. Also kann man von einer erfolgreichen Nacht sprechen.

CS, Dimi

1 Gedanke zu „Once in a lifetime – Als mir das Nordlicht die Aufnahme versaut hat (mit Beweisvideo)“

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